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Das Skript ist geschrieben, was nun?

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... über die Einfachheit ein Buch zu schreiben.

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Oktober 2013. Gewitterwolken ziehen am Horizont auf, legen sich schwer auf mein Gemüt. Ein Gewitter rast auf mich zu und erschüttert meine berufliche Welt bis ins Mark. Nach 13 Jahren Leidenschaft, Engagement und Opfer stehen meine Kolleginnen, Kollegen und ich vor einem Haufen Scherben. Die Muttergesellschaft unserer Filiale, für die wir alle tagein, tagaus gekämpft haben, steht vor dem aus. Bereits sechs Wochen später halten wir alle unsere Kündigung in den Händen. Wir sind am Tiefpunkt angelangt.
Panik übermannt mich. Wie ein Verrückter hetze ich Anfang 2014 quer durch Deutschland einem Vorstellungsgespräch nach dem anderen hinterher. Inzwischen fünfzig Jahre alt überkommen mich, trotz der guten Resonanz auf meine Bewerbungen, Selbstzweifel. Meine Anspannung steigt und die Unternehmen überbieten sich mit haufenweisen Tests, um herauszufinden, ob ich eine Mogelpackung sein könnte. Stets war ich im Unternehmen als Zahlenmensch bekannt, ein moderner Tabellenkalkulationscowboy, immer auf der Suche nach Lösungsansätzen in den Zahlen. Ein Test stellt mein Faible für Worte in den Vordergrund. Klar, ich habe mich immer auf die Produktkataloge gefreut und hier Jahr für Jahr die eingebildete Wortgewandtheit austoben dürfen, aber nun sollte ich plötzlich ein sprachlicher Überflieger sein? Kaum zu glauben.
Das gelesene Testergebnis noch frisch im Gedächtnis höre ich am nächsten Morgen einen Beitrag im Radio über das Schriftstellertum der Gegenwart in Deutschland. Und peng! Mein Gehirn stellt eine Verknüpfung her, der ich mich nicht mehr entziehen kann. Ich erinnere mich, wie viel Spaß ich in meiner Jugend hatte, als ich Kurzgeschichten schuf, und fange an, einfach drauf loszuschreiben, um zu beweisen, dass der Test recht hat und ich ein Wortmagier bin. Eine Aneinanderreihung von Worten, die gut klingen, entwickle ich zum Roman und in zwei Monaten schreibe ich eine Scifi Geschichte fertig. Das Problem, schöne Worte machen noch lange keinen Roman aus und das Skript ist unlesbar. Doch wer mich kennt, der weiß, dass ich einem Bulldog gleich, mich in ein gestecktes Ziel verbeiße und nicht mehr loslasse.
Es ist inzwischen Oktober im Jahre 2014. Nordgalizien zeigt sich mal wieder von seiner unschönen Seite. Kaltes Schmuddelwetter begleitet uns eine Woche lang im Urlaub. Auf einem Spaziergang in der Düsternis der grünen Hölle Galiziens überfällt mich die Idee, einen Keltenthriller zu schreiben. Bereits auf der Fahrt zum Flughafen in Madrid nerve ich meine Frau über 500Km lang mit meiner Begeisterung. Der Vorteil lag klar auf meiner Seite, immerhin konnte sie mir in dem fahrenden Gefängnis nicht entrinnen. Das Brainstorming hilft und die Idee in meinem Kopf nimmt Gestalt an. Diesmal stecke ich meine Ziele höher und das Skript um die Kelten soll in jedem Fall lesbar sein. Ich beschäftige mich also monatelang mit dem Schreiben, Site um Site im Web, Buch um Buch erkenne ich die vielen Fehler des ersten Skriptes und nehme mir vor, dieses Mal musst du planen, ohne Wenn und Aber.
Die Ungeduld in mir steigt, Crix will endlich raus ans Licht dieser Welt. Erneut starte ich das Schreiben ohne jedwede Planung, rede mir ein, dass ich dies nur tue, um in die Geschichte und die Atmosphäre einzutauchen. Die ersten Szenen stehen schon, doch die Vernunft obsiegt letztlich über den andalusischen Enthusiasmus und das Fieber in mir. Wieder vergehen Monate der Recherche über Kelten und das Leben in Deutschland 500 Jahre v. C., Lebensläufe werden verfasst und passende Bilder für die Charas ausgesucht, ein Plot grob skizziert, die Handlung aus dem keltischen Galizien nach Süddeutschland transportiert und endlich ist der Tag da. Ich beginne, das Skript mit Leben zu füllen.
Ein Drittel des Skriptes ist wenig später geschrieben und Unsicherheit keimt in mir auf, denn ich steige beim Schreiben in eine Szene ein und der geplante Szenenschluss ist beim Ausstieg aus der Szene ein völlig anderer. Die Charas entwickeln ein Eigenleben, machen plötzlich was sie wollen, entziehen sich meiner Kontrolle. Ich lasse mich darauf ein, gewöhne mich daran und werfe den Plot über Bord. Mit dem Ende des Skripts vor Augen schreibe ich einfach weiter.
Der Zweifel bleibt, denn schwer wiegt das erste, total missratene, nicht lesbare Scifi Skript. Ein Testleser mit Abstand und Objektivität kann dir bestimmt weiterhelfen, dachte ich mir. Fortan war ich ständiger Stöberer in Schriftstellerforen. Einen Post zur Bewertung meiner Schreibfertigkeiten habe ich nie hinterlassen, mich nicht überwinden können, diesen Schritt zu wagen. Testleser, wurde mir nach unzähligem Stöbern klar, sind eine rare Spezies und ging ich das Experiment des Autorenaustauschs mehrfach ein. Das Motto: Du korrigierst meinen Text und ich deinen. Das klingt so einfach, aber die Gattung Schriftsteller scheint mir eine Art Mensch zu sein, die Kritik nicht gut verträgt und ich zu direkt dafür. Gerne nahm ich die Hinweise der Schreibkollegen auf und versuchte, mich dadurch zu verbessern, doch das Abenteuer des Konzeptes Hilfe gegen Hilfe scheiterte oft bereits nach meinem ersten Feedback. Muss an mir liegen, gebe ich zu!
Mein Sohn konnte überredet werden, das Skript zu lesen und mir Feedback zu geben. Immerhin hatte ich meinen größten Kritiker, nach dem ersten verhunzten Skript überzeugen können und freute mich auf eine gemeinsame Zusammenarbeit. Das erste und weitere Kapitel korrigierte er dann auch fleißig und dann, las er das Skript einfach durch. Er entschuldigte sich und meinte es sei zu spannend gewesen. Immerhin gab er mir wertvolle Tipps und ich schrieb inhaltlich einige Szenen um, führte ein loses Ende mit einem anderen Handlungsstrang zusammen. Ich nahm es positiv, klasse!
Parallel dazu stieß ich in einem Forum auf den Post einer waschechten Testleserin, die mit Begierde auf ein Leseprojekt hoffte. Das Wolkenkind blieb von da an immer an meiner Seite, hielt trotz meiner Rechtschreibfehler mit Verbissenheit durch, bis das Projekt in der ersten Fassung beendet war. Ich bin dir zu ewigem Dank verpflichtet, meine Liebe, ohne Dich hätte ich die Selbstzweifel vielleicht nicht überwunden.
Beim Korrekturlesen der ersten Fassung gefielen mir die ersten Kapitel nicht mehr, schienen mir plötzlich zu statisch, zu viel Erzählung und zu wenig Dialoge, ich schrieb kurzerhand ein Drittel des Skriptes um. Beim erneuten Korrigieren half mir eine Schriftstellerin und Lektorin. Danke, dass du an mich geglaubt hast, Ute!
Im Januar 2017 war es dann endlich so weit und ich zufrieden mit dem lesbaren Skript.

 

 

 

 

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